01.04.2021 11:06 Alter: 12 days

Heute vor 70 Jahren: Studentenwerk Mainz nimmt Arbeit auf

Jubiläum


70 Jahre Studierendenwerk Mainz: Eine bewegte Geschichte

 

Am 1. April 1951 nahm das Studierendenwerk Mainz, damals noch unter der Bezeichnung Studentenwerk, offiziell seine Arbeit mit dem Betrieb der Mensa und dreier Wohnheime auf. Zuvor war im September 1950 von der Johannes Gutenberg-Universität bereits der Mainzer Studentenwerk e.V. gegründet worden, an den zum 1. April die Mensa und die damals in Mainz bestehenden Wohnheime mit 45o Betten übertragen wurden.

Die Situation für die Versorgung der Studierenden in der stark zerstörten Stadt war denkbar schwierig, wie Prof. Dr. Karl Schwantag, Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender, in einem Zeitungsbeitrag berichtet:

Gerade in den Nachkriegsjahren war es für die Studierenden schwer, unter den damaligen Umständen zu einer relativ gehaltvoll und preiswerten Kost zu kommen. Auch die Wohnmöglichkeiten in der stark zerstörten Stadt Mainz und den übervölkerten Vororten waren sehr beschränkt. Die Verwaltung der Universität gründete daher den Mensabetrieb und drei große Studentenheime, die bis zum 1. April 1951 der Regie der Verwaltung unterstanden und in dieser Zeit den Studierenden halfen, die anomalen Verhältnisse vor und unmittelbar nach der Währungsreform zu ertragen. Nach dem Vorbild der anderen deutschen Universitäten und Hochschulen wurde am 21. September 1950 das Studentenwerk der Mainzer Universität als eingetragener Verein gegründet. Gründungsmitglieder waren der damalige Rektor, Professor Dr. Isele, die Professoren Dr. Bechert, Dr. Falkenburger, Dr. Münstermann und Dr. Schwantag, Oberregierungsrat Alex von der Universitäts­verwaltung und die Studenten Reinhold, Risse und Leich.

Die Bedingungen an der wiedereröffneten Universität in Mainz waren mit den heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Dr. Rudi Henkel, Zahnarzt und Alumnus der Johannes Gutenberg-Universität aus jener Zeit, erinnert sich an die Anforderungen an die Mainzer Studierenden der Nachkriegsjahre:

„Die Studierenden der damaligen Zeit mussten 150 Arbeitsstunden pro Semester für den Aufbau der Universitätsgebäude leisten. Das damalige Universitätsgelände umfasste nur einen Teil des heutigen Campusgeländes. Hinter den Kasernengebäuden war freies Feld, auf dem Gemüse und Kartoffeln für die Verpflegung der Studenten angebaut wurde. Auch hier mussten die Studierenden Arbeitseinsätze leisten. Die Pflichtarbeitseinsätze wurden zum Wintersemester 1949/50 abgeschafft.

Die Essensversorgung war in Deutschland noch sehr mangelhaft. Die Essensmarken wurden erst im Jahre 1950 abgeschafft. In einer Baracke der ehemaligen Kaserne wurde die nach dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Herbert Hoover genannte „Hoover-Speisung“ ausgegeben. Daneben wurde im ehemaligen Offizierscasino Essen in der Mensa für die Studierenden gekocht und ausgegeben. Die häufigsten Gerichte waren Eintöpfe in den verschiedensten Variationen.“

Der Universitätsbetrieb startete mit etwa 2.400 Studierenden, in den 1950 und 1951 waren rund 4.500 Studierenden eingeschrieben. Im Jahr 1951 waren beim Mainzer Studentenwerk e.V. 48 Personen beschäftigt: sieben in der Geschäftsführung, 23 in der Mensa, und 18 in den Studentenwohnheimen. Die Mensa der Mainzer Universität gehörte mit ca. 84.000 Essen im Sommersemester 1951 zu den größten Verpflegungsbetrieben in Rheinland-Pfalz. Die Essenszahlen steigerten sich kontinuierlich und das Studentenwerk führte auch die Hoover-Speisung mit täglich ca. 800 bis 900 Essen fort.

Heute, 70 Jahre später, hat das Studierendenwerk 255 Beschäftigte und bietet mehr als 4.000 Wohnheimplätze in zehn Wohnanlagen, betreibt in Mainz und Bingen acht Mensen und Cafeterien und ist Träger von drei Kindertagesstätten. Insgesamt betreut das Studierendenwerk Mainz etwa 38.000 Studierende in der Hochschulregion Mainz-Bingen.

Rückblickend waren die letzten 69 Jahr von einem stetigen Wachstum geprägt. Neben dem Bau der Zentralmensa, des Studihauses für die Verwaltung, zahlreichen Wohnheimen, Verpflegungseinrichtungen und den Kindertageseinrichtungen wurde der Service stetig verbessert. Die Betreuung der ausländischen Studierenden und der sozialen Betreuung durch finanzielle Hilfen und Freitische hat ebenfalls breiten Raum eingenommen.

Doch leider wurde die Entwicklung zu Beginn des Jahres 2020 durch die Corona-Pandemie jäh gestoppt. Wo wir vor kurzem noch lange Wartelisten und Schlangen vor den Mensen hatten, müssen wir heute Lösungen für leerstehenden Wohnheimplätzen und geschlossenen Verpflegungseinrichtungen finden und ein Großteil des Personals befindet sich in Kurzarbeit.

Obwohl wir optimistisch in die Zukunft blicken und uns den Herausforderungen bisher erfolgreich stellen ist klar: Eine Rückkehr zu Verhältnissen wie vor der Pandemie wird es so schnell nicht geben. Deshalb setzen wir alles daran, trotz der schwierigen Bedingungen für „unsere“ Studierenden da zu sein und sie auf dem Weg zu einem erfolgreichen Studienabschluss zu unterstützen. Dafür erarbeiten ständig neue Konzepte und Strategien und passen unsere Angebote an.

Das nächste Jubiläum, das ist unsere feste Hoffnung, können wir dann wieder persönlich und gemeinsam feiern und auf eine weitere Phase der Herausforderungen zurückblicken, aus der wir gestärkt hervorgegangen sind.

 

Dieter Laukhardt

Stellvertretender Geschäftsführer